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Mitarbeiter von seitenweise arbeitet an einer Website

Corporate Website vs. Microsite: Wann welches Format?

Portraitfoto von Olli, Inhaber der Digitalagentur seitenweise

Autor: Oliver Hunke

29. September 2025

„Wir bauen eine Microsite für die Kampagne.“ Das klingt nach einer schnellen Lösung und ist es manchmal auch. Oft aber entsteht eine Microsite, wo eine Unterseite gereicht hätte, oder es wird eine Unterseite gebaut, wo eine Microsite stärker gewesen wäre.

Die Unterschiede

Die Corporate Website ist die zentrale Website des Unternehmens, meist umfangreich, mit vielen Themen und vielen Zielgruppen. Sie trägt die Marke, erklärt das Angebot und generiert Leads, und sie ist im Webdesign entsprechend aufwendig.

Eine Microsite ist eine fokussierte, separate Website zu einem einzelnen Thema oder einer Kampagne, mit eigener URL, oft eigenem Design und eigenem Fokus. Eine Landingpage geht noch einen Schritt weiter: eine einzelne Seite, entweder innerhalb der Corporate Website oder unter eigener Adresse, aber immer auf ein Ziel zugeschnitten.

Wann eine Microsite Sinn ergibt

Es gibt sechs Situationen, in denen sie wirklich das richtige Format ist. Die erste ist eine Kampagne mit eigener Geschichte, etwa ein Produktlaunch oder ein Event mit eigener Ästhetik, die auf der Corporate Website verwässern würde. Die zweite ist eine abweichende Zielgruppe, jünger, aus einer anderen Branche oder international, für die eure Hauptseite schlicht nicht gemacht ist.

Die dritte ist eine abweichende Marke oder Tonalität, etwa bei Employer Branding oder einer Premium-Teilmarke, die eine eigene visuelle Sprache braucht. Die vierte sind Inhalte, die die Hauptseite sprengen würden: ein Branchenreport, eine Initiative, ein Content-Hub zu einem Spezialthema.

Dazu kommen zwei technischere Fälle. Wer ein ganzes Konzept testen will, etwa eine neue Positionierung, kann das auf einer Microsite tun, ohne die Hauptseite zu belasten. Und Events mit befristeter Relevanz, also Konferenzen oder Messen, bekommen sinnvollerweise eine eigene Seite mit eigenem Ablaufdatum.

Wann keine Microsite

Umgekehrt spricht einiges dagegen, und der erste Punkt trifft die Mehrheit der Fälle: Wenn es als Unterseite funktioniert, ist es eine Unterseite. Viele „Microsite-Projekte“ sind in Wahrheit Landingpages mit größerem Budget.

Kritisch wird es, sobald SEO eine Rolle spielt, denn eine neue Domain muss ihre Autorität komplett neu aufbauen. Bei knappem Budget kommt hinzu, dass Design, Entwicklung, Hosting, Betrieb und SEO-Aufbau doppelt anfallen. Ist die Pflege nicht gesichert, entsteht eine verwaiste Seite, die der Marke schadet statt zu nützen. Und wenn es am Ende nur um eine höhere Conversion geht, reicht meist eine Landingpage mit eigener URL-Struktur, und für den Rest sorgt Conversion-Optimierung auf der bestehenden Seite.

Die versteckten Kosten

Eine Microsite bringt einen ganzen Rattenschwanz mit: eigenes Hosting und eigene Wartung, eine eigene Analytics-Property, ein eigenes CMS oder zumindest eine eigene Struktur, ein separates Consent-Management, eigenes Monitoring, SEO-Aufbau von null und eine getrennte Betrachtung von Recht und Datenschutz.

In Summe verursacht das gegenüber einer Unterseite grob 30 bis 60 Prozent Mehrarbeit, und zwar dauerhaft, nicht nur im Projekt.

SEO: Microsites sind ein Risiko

Eine Microsite startet beim SEO bei null. Keine Autorität, keine Backlinks, keine Vertrauenssignale. Praktisch heißt das: Rankings kommen später oder gar nicht, Backlinks müssen separat aufgebaut werden, und der Content muss deutlich stärker sein als auf einer etablierten Domain, um überhaupt aufzufallen.

Die naheliegende Alternative ist eine Microsite als Unterverzeichnis, also `example.com/kampagne/` statt einer eigenen Domain. Damit nutzt ihr die Kraft der Hauptdomain mit und verzichtet nur auf die vollständige Trennung.

Eine eigene Domain lohnt sich, wenn die Marke deutlich vom Unternehmen abweicht, wenn ihr einen internationalen Markt gezielt bedient, wenn das Projekt zeitlich befristet und eigenständig ist oder wenn SEO bewusst getrennt bleiben soll. Ein Unterverzeichnis ist richtig, wenn SEO-Kraft zählt, das Thema ergänzend ist und die Pflege zentral bleiben soll.

Die Entscheidungsmatrix

FrageCorporate-UnterseiteMicrosite
SEO-Aufbau wichtig?JaEvtl.
Eigenständige Marke?NeinJa
Budget knapp?JaNein
Langfristige Pflege?GesichertUnsicher
Eigene Zielgruppe?NeinJa
Abweichendes Design?NeinJa
Einmalige Kampagne?NeinJa

Je mehr „Nein“ in der linken Spalte steht, desto eher spricht etwas für eine Microsite. Und umgekehrt.

Die typischen Fehler

Der häufigste ist die vergessene Microsite. Sie wird gebaut, gefeiert und zwei Jahre später von niemandem mehr angefasst, während sie weiter unter eurem Namen im Netz steht.

Fast genauso verbreitet ist die Microsite, wo eine Landingpage gereicht hätte: hoher Aufwand, kleiner Nutzen. Dazu kommt die SEO-Verwechslung, also die Erwartung von Rankings, die eine neue Domain in dieser Zeit gar nicht liefern kann.

Zwei weitere Fehler betreffen die Nutzer direkt. Ein Designbruch ohne erkennbaren Grund verwirrt, weil plötzlich nichts mehr aussieht wie vorher. Und eine Microsite ohne Verbindung zur Hauptseite existiert im Vakuum, aus dem niemand zu euch zurückfindet.

Microsites langfristig beherrschen

Wer mehrere davon betreibt, braucht ein Inventar mit Zweck und Ablaufdatum je Seite, eine benannte verantwortliche Person, eine Lebenszyklusplanung mit klarem Aktualisierungs- und Abschalttermin sowie eine Antwort auf die Frage, was mit den Inhalten passiert, wenn die Seite abgeschaltet wird.

Ohne diese Governance entstehen Website-Friedhöfe, und die räumt hinterher niemand gern auf.

Fazit: Die Default-Antwort ist „Unterseite“

Microsites haben ihren Platz, aber sie sind die Ausnahme und nicht die Regel. Die Standardantwort sollte „Unterseite auf der Hauptwebsite“ lauten und nur bei gutem Grund weichen.

Wer das beherzigt, spart Budget, SEO-Aufwand und Pflege. Und bekommt am Ende oft bessere Ergebnisse, als wenn die Microsite erzwungen wird.

Portrait von Oliver Hunke vor einer Holzlamellenwand

Marcel und Olli leiten die Agentur. Sie beantworten eure erste Anfrage.

Portrait von Marcel Pietsch vor einer Holzlamellenwand

Ihr plant eine Kampagne oder ein Projekt und wisst nicht, ob Microsite oder Unterseite? Sprecht uns an. Wir beraten ergebnisoffen.

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