Strategy
Zehn Fragen, die ihr jeder Webagentur stellen solltet
Autor: Oliver Hunke
21. September 2026
Drei Angebote liegen auf dem Tisch. Alle drei versprechen dasselbe, alle drei zeigen ähnliche Referenzen, und die Preise liegen weiter auseinander, als sich erklären lässt. Wie entscheidet man das?
Nicht über die Präsentation. Die kann jede Agentur, wir auch. Entscheiden lässt es sich über Fragen, die man in einem Verkaufsgespräch nicht routiniert beantworten kann.
Wir schreiben das als Agentur, die selbst in solchen Runden sitzt. Diese Fragen bekommen wir gern gestellt, weil sie Unterschiede sichtbar machen. Was wir dazuschreiben, ist jeweils, woran ihr eine gute Antwort erkennt.
1. Wer arbeitet konkret an unserem Projekt?
Im Termin sitzen oft Geschäftsführung und Vertrieb. Gebaut wird das Projekt von anderen. Fragt nach Namen, Rollen und danach, wie viele Projekte diese Personen parallel betreuen.
Gute Antwort: Konkrete Menschen, die ihr im Verlauf auch sprechen werdet. Eine ehrliche Zahl zur Auslastung.
2. Welches System schlagt ihr vor, und warum nicht die Alternativen?
Jede Agentur hat Lieblingssysteme. Das ist in Ordnung, solange die Wahl begründet wird. Kritisch wird es, wenn die Begründung nur aus Vorteilen besteht.
Gute Antwort: Eine Empfehlung mit Nachteilen. Wer euch WordPress vorschlägt und dabei sagt, wo es an Grenzen stößt, denkt an euer Projekt und nicht an die eigene Routine.
„Am Ende sitzt ihr nicht mit einer Agentur zusammen, sondern mit drei bis vier Menschen. Die solltet ihr vorher kennenlernen.“
Oliver Hunke, seitenweise
3. Was passiert, wenn wir uns trennen?
Diese Frage ist unangenehm und deshalb aufschlussreich. Wem gehört der Quellcode? Kommt ihr an eure Zugänge? Lässt sich die Website bei einem anderen Dienstleister weiterbetreiben?
Gute Antwort: Standardsysteme, offene Zugänge, keine Speziallösung, die nur die eine Agentur pflegen kann. Wer hier ausweicht, baut eine Abhängigkeit ein.
4. Wer schreibt die Texte?
Der häufigste Grund für Verzögerungen sind fehlende Inhalte. Klärt vorher, ob die Agentur schreibt, ob sie redigiert oder ob sie nur Platzhalter einsetzt und wartet.
Gute Antwort: Ein klares Modell mit Preis. Entweder ihr liefert nach Vorgabe, oder die Content-Erstellung ist Teil des Angebots. Beides ist richtig, unklar darf es nicht bleiben.
5. Wie viele Korrekturschleifen sind enthalten?
Fast jeder Streit über Nachträge geht auf diesen Punkt zurück. In vielen Angeboten steht dazu nichts, und dann wird nachverhandelt, wenn das Verhältnis ohnehin angespannt ist.
Gute Antwort: Eine Zahl im Angebot, dazu der Stundensatz für alles darüber hinaus.
6. Was tut ihr, damit unsere Rankings den Umzug überstehen?
Ein Relaunch ohne saubere Weiterleitungen kostet Sichtbarkeit, und der Schaden fällt oft erst Monate später auf. Diese Frage trennt zuverlässig die Gestalter von den Agenturen, die auch an das denken, was nach dem Launch passiert.
Gute Antwort: Weiterleitungsplan, Bestandsaufnahme der aktuellen Rankings, Monitoring nach dem Launch. Wer das unter Technical SEO selbstverständlich mitliefert, hat es schon oft gemacht.
7. Was kostet der Betrieb im Jahr?
Das Projekt ist der kleinere Teil. Hosting, Updates, Backups, Monitoring und kleine Änderungen laufen weiter, und diese Summe sollte im Angebot stehen, nicht in einer späteren Mail.
Gute Antwort: Eine Jahreszahl für die Website-Wartung, aufgeschlüsselt nach Leistungen. Als Orientierung liegen die laufenden Kosten über drei Jahre ungefähr beim Projektbudget.
8. Zeigt uns ein Projekt, das schwierig war
Referenzen zeigen Ergebnisse. Interessanter ist der Weg dorthin. Fragt nach einem Projekt, das nicht glatt lief, und danach, was die Agentur daraus geändert hat.
Gute Antwort: Eine konkrete Geschichte mit eigenem Anteil am Problem. Wer ausschließlich schwierige Kunden erinnert, wird euch später genauso beschreiben.
9. Wie arbeitet ihr, wenn wir eigene Entwickler haben?
Viele Mittelständler haben eine IT-Abteilung. Die Zusammenarbeit zwischen ihr und einer externen Webentwicklung entscheidet über einen großen Teil des Projekterfolgs.
Gute Antwort: Klare Schnittstellen, Bereitschaft zu gemeinsamen Standards, keine Abwehrhaltung gegenüber euren Leuten.
10. Wovon würdet ihr uns abraten?
Die vielleicht beste Frage überhaupt. Eine Agentur, die auf alles Ja sagt, verkauft. Eine, die widerspricht, denkt mit.
Gute Antwort: Mindestens ein Punkt aus eurer eigenen Anfrage, den die Agentur für falsch hält, mit Begründung.
Wie ihr die Antworten vergleicht
Stellt allen Anbietern dieselben Fragen und notiert die Antworten stichwortartig. Nach dem dritten Gespräch fällt der Unterschied deutlicher aus als beim Vergleich der Angebotssummen.
Achtet dabei weniger auf den Inhalt der Antwort als auf ihre Beschaffenheit. Konkrete Antworten mit Zahlen und Namen sind ein gutes Zeichen. Antworten, die ein Prinzip beschreiben, aber kein Beispiel nennen, sind eine höfliche Form von Nein.
Fazit: Ihr sucht keinen Anbieter, ihr sucht ein Arbeitsverhältnis
Eine Website begleitet euch fünf bis sieben Jahre. In dieser Zeit werdet ihr mit denselben Menschen über Budgets, Termine und Fehler sprechen. Der Preis im Angebot ist dafür ein schwacher Indikator.
Marcel und Olli leiten die Agentur. Sie beantworten eure erste Anfrage.
Wenn ihr diese Fragen bei uns stellen wollt, tut das gern. Wir beantworten sie im Erstgespräch, auch die unangenehmen.