Strategy
Website-Governance: Wer entscheidet was?
Autor: Oliver Hunke
27. April 2026
„Wer aktualisiert eigentlich unsere Startseite?“, „Wer entscheidet über neue Funktionen?“, „Warum steht auf der Karriereseite noch die alte Ansprechpartnerin?“
Diese Fragen sind Symptome eines Governance-Problems. Ohne klare Zuständigkeiten wird jede Website zum Flickenteppich. Inhalte veralten, Fehler bleiben stehen, Entscheidungen werden vertagt.
Was Website-Governance bedeutet
Governance ist das Regelwerk dahinter. Es legt fest, wer für welche Bereiche verantwortlich ist und damit die Content-Strategie trägt, wer welche Entscheidungen trifft, wie Änderungen freigegeben werden, welche Standards gelten und wie Konflikte gelöst werden.
Das ist kein bürokratisches Korsett, sondern das Betriebssystem eurer Website.
Die typischen Probleme
Am häufigsten sind alle und niemand zuständig. Inhalte kommen aus verschiedenen Abteilungen, und niemand prüft die Qualität. Parallel dauern Entscheidungen, weil jede Änderung quer durchs Haus abgestimmt wird.
Dazu kommt fehlendes Wissen an den Schnittstellen: Wer den Kontakt im Marketing hat, weiß nichts von technischen Einschränkungen, und umgekehrt. Standards existieren zwar, etwa ein Design System, werden aber ignoriert, weil niemand sie durchsetzt. Und die technischen Schulden wachsen still weiter, weil Plugins installiert werden, von denen die IT erst später erfährt. Ein Vertrag für Hosting & Wartung fängt genau das ab.
Die Rollen
Der Website Owner verantwortet die Website als Ganzes, trifft strategische Entscheidungen, plant Investitionen ins Webdesign und steht für die Ergebnisse gerade. Das ist meist die Marketingleitung oder die Geschäftsführung.
Der Content Owner verantwortet die Inhalte, entscheidet, was auf die Website kommt, koordiniert die Beiträge der Abteilungen und sorgt für Konsistenz. Der Technical Owner kümmert sich um Hosting, Performance, Sicherheit und CMS, sitzt also in der IT oder bei der Agentur.
Dazu kommen zwei Rollen, die gern vergessen werden: eine für SEO und Analytics, also Sichtbarkeit und Messung, und eine für Recht und Compliance, also DSGVO, Impressum und Datenschutz.
Das müssen keine fünf Personen sein. In kleinen Unternehmen trägt eine Person mehrere Rollen. Wichtig ist nur, dass sie benannt und dokumentiert sind.
Die Governance-Matrix
Eine einfache Tabelle löst rund achtzig Prozent aller „Wer macht was?“-Fragen.
| Bereich | Verantwortlich | Entscheidet | Wird informiert |
|---|---|---|---|
| Startseite | Marketing | Marketing-Leitung | Geschäftsführung |
| Karriere-Seiten | HR | HR-Leitung | Marketing |
| Blog und Insights | Marketing | Content Owner | |
| Plugin-Updates | IT oder Agentur | Technical Owner | Marketing |
| Neue Unterseiten | Fachabteilung | Content Owner | Marketing |
| Design-Änderungen | Marketing und IT | Website Owner | Geschäftsführung |
Nicht jede Entscheidung braucht denselben Weg
Kleine Änderungen an Text oder Bild entscheidet eine beauftragte Person allein, dafür braucht es keinen Prozess. Bei mittleren Änderungen wie einer neuen Seite oder Funktion schlägt die Fachabteilung vor und der Content Owner gibt frei.
Größere Eingriffe in Design oder Struktur entscheidet der Website Owner, beteiligt werden Marketing, IT und bei Bedarf die Rechtsseite. Und strategische Entscheidungen wie ein Relaunch oder ein CMS-Wechsel gehören mit einem Business Case in die Geschäftsführung.
Drei Dokumente, die jedes Unternehmen haben sollte
Die Website-Strategie hält Ziele, Zielgruppen und Content-Schwerpunkte fest und wird einmal im Jahr überprüft. Die Redaktionsrichtlinien regeln Schreibstil, Tonalität, Bildsprache und SEO-Grundlagen und dienen als Nachschlagewerk. Die technischen Standards beschreiben Design System, Performance-Regeln und Vorgaben zur Barrierefreiheit.
Ohne diese Dokumente werden Entscheidungen informell getroffen und fallen entsprechend unterschiedlich aus.
Wenn ihr Website-Governance systematisch aufbauen wollt: Wir beraten im Rahmen von Content-Strategie zu Rollen, Prozessen und Dokumenten.
Werkzeuge
Ein Redaktionsplan in Notion, Trello oder Asana hält fest, was geplant ist, wer es macht und wann es live geht. Ein Content-Kalender ergänzt die zeitliche Sicht.
Dazu kommen Freigabe-Workflows, entweder im CMS oder außerhalb, aber mit klaren Schritten, eine Dokumentationsplattform für Standards und getroffene Entscheidungen, und ein Dashboard, auf dem die Kennzahlen für alle Beteiligten sichtbar sind.
Der Rhythmus
Wöchentlich läuft die operative Abstimmung: Was steht an, was blockiert? Monatlich folgt der Performance-Check mit Kennzahlen, Fehlern und Potenzialen. Quartalsweise prüft ihr die Richtung und ob die Prioritäten noch stimmen. Und einmal im Jahr steht die Governance selbst auf dem Prüfstand: Sind die Rollen aktuell, wirken die Prozesse?
Vier Reifestufen
Auf Stufe eins macht jeder etwas und niemand weiß, was. Auf Stufe zwei existieren Rollen informell und Prozesse werden improvisiert. Stufe drei bedeutet klare Rollen und dokumentierte Abläufe, Stufe vier eine Governance, die regelmäßig überprüft und angepasst wird.
Stufe vier ist nicht um jeden Preis das Ziel. Stufe drei sollte es aber mindestens sein.
Die typischen Fehler
Governance nur auf dem Papier ist der häufigste: Die Dokumente existieren, und niemand kennt sie. Das Gegenteil ist genauso schädlich, nämlich ein Prozess, bei dem jede Kleinigkeit fünf Freigaben braucht.
Dazu kommen unklare Entscheider, denn „wir“ entscheidet nichts. Besonders anfällig sind Schnittstellen: Die Karriereseite gehört halb HR und halb Marketing, und deshalb pflegt sie niemand. Und schließlich Governance, die drei Jahre alt ist und zur heutigen Organisation nicht mehr passt.
Fazit: Governance macht Tempo
Governance klingt nach Bremse und ist in Wahrheit der Beschleuniger. Wer weiß, wer entscheidet, entscheidet schneller. Wer klare Rollen hat, koordiniert weniger. Wer Standards hat, diskutiert weniger.
Sie ist keine Kostenfrage, sondern die Grundlage dafür, dass eine Website dauerhaft gut bleibt.
Marcel und Olli leiten die Agentur. Sie beantworten eure erste Anfrage.
Ihr wollt Website-Governance einführen oder verbessern? Sprecht uns an. Wir analysieren, beraten und setzen auf.