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Website-Check in einer Stunde: Was ihr selbst prüfen könnt
Bevor ihr über einen Relaunch nachdenkt, lohnt sich eine Stunde Diagnose. Nicht weil ihr danach alles wisst, sondern weil ihr danach etwas in der Hand habt, worüber sich reden lässt. Der Unterschied zwischen „die Seite ist nicht mehr gut“ und „unsere wichtigste Seite lädt in 6,2 Sekunden“ ist der Unterschied zwischen einem Gefühl und einem Befund.
Die folgenden sieben Prüfungen braucht ihr weder Entwickler noch Budget für. Nehmt euch einen Block, notiert zu jedem Punkt eine Zahl oder einen Satz, und ihr habt am Ende eine belastbare Bestandsaufnahme.
1. Tempo
Öffnet PageSpeed Insights und gebt eure Startseite ein. Danach dieselbe Prüfung für eure wichtigste Leistungsseite und für eine typische Unterseite. Interessant ist nicht der bunte Gesamtwert, sondern der Wert für Mobil und die Zeit bis zum größten sichtbaren Element.
Alles unter 2,5 Sekunden ist gut, alles über 4 Sekunden ist ein Problem. Zwischen diesen Werten liegt der Bereich, in dem Besucher noch bleiben, aber schon ungeduldig werden. Notiert die drei Zahlen. Sie sind der härteste Befund, den ihr in einer Stunde bekommen könnt, und sie sind der Einstieg in jede Performance-Optimierung.
2. Das Handy
Nehmt euer eigenes Telefon und versucht, eine Anfrage zu stellen. Vom Start bis zum abgeschickten Formular, so wie es ein Interessent täte.
Achtet dabei auf vier Dinge: Findet ihr den Weg zur Kontaktseite ohne Suchen? Sind die Schaltflächen mit dem Daumen zu treffen? Lässt sich das Formular ausfüllen, ohne zu zoomen? Und kommt am Ende eine Bestätigung, die mehr sagt als „Danke“?
Diese Übung dauert drei Minuten und ist der ehrlichste Test, den es gibt. Über die Hälfte eurer Besucher kommt vom Handy, aber gebaut und geprüft wurde die Seite fast sicher am großen Bildschirm. Genau hier entscheidet sich, ob UX/UI Design im Alltag trägt.
„Die meisten Websites scheitern nicht an einem großen Fehler. Sie scheitern an sieben kleinen, die zusammen dafür sorgen, dass niemand bis zum Formular kommt.“
Mirko Breder, seitenweise
3. Auffindbarkeit
Gebt bei Google `site:eure-domain.de` ein. Die Trefferzahl zeigt, wie viele eurer Seiten überhaupt im Index sind. Liegt sie deutlich unter der Zahl eurer tatsächlichen Seiten, wird ein Teil eures Angebots nicht gefunden.
Sucht danach nach eurem Firmennamen und schaut euch an, was Google als Titel und Beschreibung anzeigt. Steht dort ein sinnvoller Satz oder ein abgeschnittener Textfetzen? Prüft das Gleiche für eure drei wichtigsten Leistungen, diesmal ohne Firmennamen. Taucht ihr auf der ersten Seite auf, auf der dritten, oder gar nicht?
Wenn die Trefferzahl unerwartet niedrig ist, liegt das Problem meistens nicht am Text, sondern an der Technik dahinter. Das ist das Feld von Technical SEO.
4. Der Weg zur Anfrage
Zählt, wie viele Klicks ein Besucher von der Startseite bis zum Absenden einer Anfrage braucht. Mehr als drei sind zu viel.
Schaut euch dann eure Formulare an und zählt die Pflichtfelder. Jedes Feld über fünf kostet spürbar Abschlüsse. Fragt euch bei jedem einzelnen, ob ihr die Angabe wirklich für den ersten Kontakt braucht oder ob sie später im Gespräch ohnehin fällt. Die Faxnummer ist das bekannteste Beispiel, aber selten das einzige.
Prüft zuletzt, ob auf jeder Leistungsseite ein Weg zur Kontaktaufnahme steht. Viele Seiten enden mit dem letzten Absatz und lassen den Leser allein, obwohl er in genau diesem Moment am ehesten bereit wäre. Das ist eine der einfachsten Stellschrauben der Conversion-Optimierung.
5. Inhalt
Öffnet eure wichtigste Leistungsseite und lest den ersten Absatz laut vor. Wenn er beschreibt, wie großartig euer Unternehmen ist, statt welches Problem ihr löst, habt ihr den häufigsten Textfehler im Mittelstand gefunden.
Prüft außerdem das Datum. Wann wurde diese Seite zuletzt inhaltlich angefasst? Stehen dort noch Leistungen, die ihr gar nicht mehr anbietet, oder fehlen die, die inzwischen euer Geschäft tragen? Bei vielen Websites ist die Leistungsübersicht ein Abbild des Unternehmens von vor fünf Jahren. Wer seine Content-Erstellung nie überarbeitet, wirbt irgendwann für eine Firma, die es so nicht mehr gibt.
6. Vertrauen
Sucht auf eurer Website nach Beweisen. Gemeint sind keine Selbstaussagen, sondern Dinge, die ein Fremder prüfen kann: Projektbeispiele mit Namen, Kundenstimmen mit Person und Unternehmen, konkrete Zahlen, Zertifikate.
Zählt, wie viele davon auf eurer wichtigsten Seite stehen. Bei den meisten Websites lautet die Antwort null. Das ist bemerkenswert, weil im Verkaufsgespräch niemand darauf verzichten würde, Referenzen zu nennen.
7. Wartung
Zum Schluss zwei technische Blicke, für die ihr niemanden braucht. Prüft, ob eure Adresse mit https beginnt und ob der Browser ein Schloss anzeigt. Klickt dann durch fünf beliebige Unterseiten und achtet auf Fehlermeldungen oder leere Seiten.
Fragt anschließend im Haus nach, wann das CMS zuletzt aktualisiert wurde. Wenn niemand die Frage beantworten kann, habt ihr das Ergebnis bereits. Eine ungepflegte Website ist kein Schönheitsproblem, sondern ein Sicherheitsrisiko, und regelmäßige Website-Wartung ist billiger als der erste Vorfall.
Was ihr danach habt
Sieben Notizen, davon vermutlich drei oder vier mit einer Zahl dahinter. Das reicht, um zu entscheiden, ob eure Website eine Überarbeitung an einzelnen Stellen braucht oder einen echten Neuanfang.
Die Faustregel dafür ist einfach. Wenn Tempo, Handy und Formulare die Probleme sind, lässt sich das meistens an der bestehenden Seite lösen. Wenn dagegen die Struktur nicht mehr zum Unternehmen passt und das CMS jede Änderung zur Verhandlung macht, arbeitet ihr gegen das Fundament.
Fazit: Eine Stunde, die sich rechnet
Diese Prüfung ersetzt keinen professionellen Audit. Sie findet die offensichtlichen Probleme, nicht die verborgenen, und sie sagt euch nichts über Barrierefreiheit, Datenschutz oder die Qualität eures Quellcodes.
Marcel und Olli leiten die Agentur. Sie beantworten eure erste Anfrage.
Für den Anfang genügt sie trotzdem.