Strategy
Renovieren oder neu bauen: Woran ihr merkt, dass eure Website am Ende ist
Autor: Oliver Hunke
5. Oktober 2026
Ein Relaunch ist die teuerste aller Antworten auf eine unzufriedene Website. Manchmal ist er richtig. Oft ließe sich dasselbe Ergebnis mit einem Bruchteil des Budgets erreichen, indem man an drei Stellen gezielt eingreift.
Die Frage ist also nicht, ob eure Website Schwächen hat. Die hat jede. Die Frage ist, ob diese Schwächen an der Oberfläche sitzen oder im Fundament.
Sechs Signale sprechen für einen Neubau. Wenn zwei davon zutreffen, lohnt das Gespräch. Bei vier ist die Entscheidung gefallen.
Signal 1: Jede Änderung braucht einen Entwickler
Der wichtigste Punkt, und der am häufigsten übersehene. Wenn eure Marketingabteilung für eine neue Unterseite ein Ticket schreiben muss, ist die Website kein Werkzeug mehr, sondern ein Hindernis.
Prüft das an einer einfachen Frage: Wie lange dauert es bei euch, eine neue Landingpage zu veröffentlichen? Wenn die Antwort in Wochen gemessen wird, kostet euch das jedes Jahr Gelegenheiten, die nie in einer Statistik auftauchen.
Ein veraltetes System lässt sich nicht nachträglich bequem machen. Hier hilft nur ein Wechsel, und der ist als CMS-Migration oft kleiner als ein kompletter Relaunch.
Signal 2: Die Struktur passt nicht mehr zum Unternehmen
Websites bilden das Unternehmen zum Zeitpunkt ihres Baus ab. Wenn seitdem Geschäftsfelder dazugekommen sind, andere weggefallen sind oder sich die Zielgruppe verschoben hat, merkt man das an der Navigation.
Das typische Zeichen ist ein Menüpunkt namens „Weitere Leistungen“ oder „Sonstiges“. Dort landet alles, wofür in der ursprünglichen Struktur kein Platz vorgesehen war. Wenn dort inzwischen euer wichtigstes Angebot steht, arbeitet ihr gegen euren eigenen Aufbau.
„Eine Website ist dann am Ende, wenn jede Änderung eine Verhandlung wird. Nicht, wenn sie alt aussieht.“
Oliver Hunke, seitenweise
Signal 3: Der Traffic stimmt, die Anfragen nicht
Dieses Signal ist zweideutig, deshalb lohnt der genaue Blick. Wenn Besucher kommen und nicht anfragen, liegt es entweder an der Seite oder an den Besuchern.
Schaut euch an, über welche Suchbegriffe die Leute kommen. Passen die Begriffe zu eurem Angebot, aber die Anfragen bleiben aus, ist es ein Fall für Conversion-Optimierung und kein Grund für einen Neubau. Passen die Begriffe dagegen gar nicht, findet euch die falsche Zielgruppe, und das ist ein strukturelles Problem.
Signal 4: Ihr könnt gesetzliche Anforderungen nicht erfüllen
Seit Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für einen großen Teil der Unternehmen. Dazu kommen die Anforderungen an Einwilligungen und Datenverarbeitung.
Bei modernen Systemen ist das Anpassungsarbeit. Bei alten Websites mit gewachsenem Code kann es teurer werden als ein Neubau, weil jede Korrektur an anderer Stelle etwas zerbricht. Wer prüfen will, wo er steht, findet den Einstieg bei barrierefreie Websites.
Signal 5: Niemand kann die Website mehr warten
Manchmal ist das System nicht alt, sondern verwaist. Der Dienstleister von damals existiert nicht mehr, die Dokumentation fehlt, und der eingebaute Sonderfall lässt sich von niemandem nachvollziehen.
Das erkennt ihr daran, dass Angebote für kleine Änderungen unverhältnismäßig hoch ausfallen. Dienstleister kalkulieren dann das Risiko mit, in einem unbekannten System etwas kaputtzumachen. Diese Aufschläge summieren sich schneller, als es sich anfühlt.
Signal 6: Die Website schadet beim Recruiting
Dieses Signal kommt selten aus dem Marketing, sondern aus der Personalabteilung. Bewerber sehen sich die Website an, bevor sie sich bewerben, und ziehen daraus Schlüsse über den Arbeitgeber.
Fragt eure zuletzt eingestellten Kollegen, was sie beim ersten Besuch gedacht haben. Die Antworten sind oft unangenehm ehrlich. Wenn die Website beim Employer Branding aktiv im Weg steht, ist das ein Kostenfaktor, der nichts mit Marketing zu tun hat.
Wann Reparieren die klügere Wahl ist
Genauso wichtig ist die Gegenrichtung. Für einen gezielten Eingriff statt eines Neubaus spricht es, wenn die Probleme messbar und lokal sind.
Langsame Ladezeiten sind fast immer ein Fall für Performance-Optimierung und kein Grund, die Seite wegzuwerfen. Formulare mit zu vielen Feldern lassen sich an einem Tag kürzen. Fehlende Inhalte kann man nachschreiben. Ein Design, das schlicht nicht mehr gefällt, ist der schwächste aller Gründe für einen Relaunch, solange die Seite funktioniert.
Die Faustregel lautet: Alles, was sich mit einer Zahl beschreiben lässt, ist meistens reparierbar. Alles, was mit „das System lässt es nicht zu“ beginnt, ist es nicht.
Der Zwischenweg, den kaum jemand nutzt
Zwischen Reparatur und Neubau liegt eine dritte Option. Ihr behaltet Struktur und Inhalte und erneuert nur Technik und Gestaltung. Das spart die aufwendigste Phase eines Relaunchs, nämlich die Arbeit an Inhalten und Struktur.
Dieser Weg funktioniert, wenn Signal 2 nicht zutrifft, wenn eure Struktur also noch stimmt. Er kostet ungefähr die Hälfte und dauert drei statt sechs Monate.
Fazit: Erst messen, dann entscheiden
Die Entscheidung zwischen Reparieren und Neubauen fällt selten am Gefühl, sondern an zwei Fragen. Sitzt das Problem im Fundament oder an der Oberfläche? Und wie oft steht ihr euch mit dem heutigen System selbst im Weg?
Marcel und Olli leiten die Agentur. Sie beantworten eure erste Anfrage.
Wenn ihr das nicht allein einschätzen wollt, sehen wir uns eure Seite an und sagen euch, welcher der beiden Wege sich rechnet.